Die Gründungsjahre des Schiesssports in Feggendorf


 

Am 14.4.1956 trafen sich eine Frau und eine Reihe von Männern nach der Initiative von Fritz Schleper und Karl Heinz Röhrig und gründeten die Sparte Schießen im Deister-Sport-Club Feggendorf. Es war Karl Heinz Röhrig, der als Mitglied des Vorstandes in der Funktion des Obmanns für Leichtathletik die Weichen gestellt hat. Möglicherweise war Werner Rohde, der Fußball im DSC gespielt hat, ebenfalls daran beteiligt, den Weg für den Schießsport zu ebnen.

Ein wichtiger Gedanke zur Gründung der Sparte innerhalb des Sport-Clubs war die Erwartung, daß durch die Sparte die Zahl der Vereine in Feggendorf gleich bleiben sollte. Gleichzeitig war der Sportverein der zentrale Ausrichter und Gestalter des Sports. Würde man den heutigen Gedanken an Lean-Management anlegen, dann hat man 1956 bereits den Gedanken an eine Verwaltung und deshalb kostengünstige Führung und Ausführung des Sports gedacht.

Wie alle neuen Sachen war die Meinungsvielfalt bei Gründung der Sparte recht groß. Die einen befürchteten durch die Sparte eine Benachteiligung zu erfahren. Aber der Vorstand des DSC sah schon die Vorteile des Zuwachses an neuen Vereinsmitgliedern, wodurch natürlich die Basis des DSC verbreitet werden konnte.

An der Gründungsveranstaltung nahm bis auf Karl Heinz Röhrig, der ja der Obmann für die Leichtathleten war, sonst niemand aus dem Vorstand des DSC teil

Knapp 14 Tage hat es gedauert, bis die 1. Waffe oder die ersten 2 zur Verfügung standen. Das erste Schießen fand am 1. Mai 1956 statt.

Was macht man, wenn man schießen möchte, aber die Stände im Saal noch nicht fertig waren?

Man schießt im Freien. Und wenn der Misthaufen im Wege ist, dann stört das auch nicht weiter, man schieß einfach darüber hinweg. So ging das bis zum Mittag des 1. Mai. Dann waren die Stände fertig und man ging das erste Mal an die Stände.

Die notwendige Ablage für die Gewehre bestand aus einer dicken Bohle, die Walter Ahrens aus dem Sägewerk von Casala besorgt hatte.

Damals war der sportliche Einsatz noch bedeutend höher, denn Scheibenzuganlagen gab es nicht. Man mußte schon nach vorne gehen und die Scheiben wechseln. Heute allein schon aus Sicherheitsgedanken heraus unvorstellbar. Damals also eine Art von Biathlon.

Diese junge Sparte fand relativ schnell Zulauf. Die anfänglichen 12 waren bis zum 1. Königsball auf ca. 20 Mitglieder angewachsen. Einer der Gründe war sicherlich, daß Luftgewehre von der britischen Armee nach dem Krieg als erstes wieder zur Ausübung des Sports frei gegeben wurden.

Nicht nur neue Mitglieder von außen stießen zu der neuen Sparte. Auch Mitglieder des DSC aus anderen Sparten und auch Mitglieder des Vorstandes des DSC fanden gefallen an der neuen Sportart.

Wie gesagt, Anfang Oktober des Jahres 1956 waren ca. 20 Menschen Mitglied in der Sparte Schießen des DSC.

Der damalige Beitrag der Sparte Schießen wurde an den DeisterSport-Club entrichtet. Der Beitrag betrug damals ca. 0,80 bis 1,00 DM, d.h. also ca. 10-12 DM Jahresbeitrag waren fällig.

Parallel dazu nahm die Sparte selber ein Schießgeld von 0,45 DM pro geschossener Serie. Dies ist den damaligen Schießkladden zu entnehmen. Eine Serie bestand damals aus 15 Schuß.

Im Vergleich dazu kostete ein Bier im Jahre 1956 ca. 0,35 bis 0,40 DM für 0,2 l.

Die 0,45 DM dienten einmal zur Bezahlung von Scheiben und Munition, aber der Löwenanteil wurde für die Anschaffung von Gewehren verwendet.

Wilhelm Langenhaeim sen. war derjenige, der die ersten Waffen über seine Firma bestellt hat. Die erste war eine Falke von der Firma Föhrenbach aus Wennigsen. Sie kostete ca. 160 bis 170 DM.

Aber mit dieser Falke war man nicht so zufrieden, so daß die 2. bereits eine Walter in der berühmten Knicklaufausführung. Diese kostete dann schon 220 DM. Waffe Nr. 3, die etwa im Dezember 1956 angeschafft wurde kostete bereits 260 DM.

Die erste Waffe wurde kurz nach dem 14.4.56 bestellt und war zum 1.5.56 einsatzbereit, mit der dann auch der Schießbetrieb aufgenommen wurde. Ich sagte vorhin gerade, daß die ersten Schüsse über den Misthaufen hinweg ausgetragen wurden.

Die 2. Waffe muß so etwa im Laufe des Monats Mai 56 eingetroffen sein.

Nicht ganz klar ist, wer das Geld für die ersten Waffen vorgestreckt hat. Der Sport-Verein oder Fritz Schleper. Ich glaube, daß es der Sportverein war und Fritz Schleper die ersten Waffen bei Gründung des Schützen-Clubs vorfinanziert hat.

Dies macht insofern Sinn, als das diese Tatsache auch die Grundlage für die Ende des Jahres eingeleitete Trennung der Gründer von der Sparte.

Aus den Protokollen des Deister-Sport-Clubs geht hervor, daß es in diesen Jahren eines der großen Anliegen des DSC war, den Fußballplatz mit einem Umkleidehaus und einer Umzäunung zu versehen. Der damalige Vorsitzende des Sportvereins Herbert Rickenberg kratzte alle Gelder zusammen, um das Ziel zu erreichen. Insgesamt muß es nicht einfach gewesen sein, diese Gelder zusammen zu bekommen. Zumindest so erklärt sich, warum Fritz Lambrecht sen. dann im Dezember 56 begann lautstark zu schimpfen, als das 3. Gewehr kam, denn der Sportplatz war noch immer nicht fertig, aber die Sparte rüstete mit Sportgeräten stark auf.

Die Sparte selber stand auf dem Standpunkt, wenn wir schon unseren Beitrag an den DSC abführen, dann ist das Schießgeld unser, über das wir verfügen können. Aber die Vorlage durch den DSC war noch nicht ausgeglichen. Ein Hinweis aus dem Protokoll der JHV vom Januar 57 belegt diese Vermutung, denn der Kassenbericht enthält den Hinweis, daß nunmehr die Schulden ausgeglichen sind. Auch die Tatsache, daß die Waffen in der Sparte blieben, spricht dafür, daß das Geld für die Anschaffung vom DSC kam.

Die Mitglieder der Sparte waren aber der Meinung, daß wenn man die Gründung einer Sparte anstrebt, um die Zahl der Vereine in Feggendorf klein zu halten, dann muß man auch die nötigen Finanzmittel bereit stellen.

Vor diesem Hintergrund ist verständlich, wenn die Sparte Fußball nach der Fertigstellung des Sportplatzes lechzte, die Sparte aber sagte: "Wieso sollen wir jemanden fragen, wenn es um unser Schießgeld außerhalb des Beitrages geht?".

Dazu kommt, daß die damaligen Mitglieder in der Sparte in Summe mit der Situation, von einem anderen abhängig zu sein, nicht gut umgehen konnten. Man war Selbständigkeit gewohnt und hatte mit dem Spartenleben so seine Probleme.

Daher war es folgerichtig, daß der größte Teil der Sparte, insbesondere alle Gründer der Sparte, auch viele, die im laufe der ersten Monate dazu gekommen waren, einstimmig beschlossen, wir machen unseren eignen Verein auf, dann gibt es eben in Feggendorf einen Verein mehr.

Diese Abstimmung muß kurz vor Weihnachten stattgefunden haben. Die letzte Schießkladde stammt vom 18.12.56. An diesem Tage wurden noch 32 Serien geschossen. Sie traten also zum Ende des Jahres 1956 aus der Sparte aus und gründeten am 1.1.57 den Schützen-Club Feggendorf, unseren Club.

Schaut man sich diese Schießkladde an, dann ist der größte Teil der damaligen Mitglieder ausgeschieden. Übrig blieben nur wenige. Die Waffen verblieben in der Sparte Schießen des DSC.

Aber in der JHV des DSC vom Januar 57 wurden die Weichen von der Mitgliederversammlung des DSC so gestellt, daß man normal in sportlich fairer Absicht die Sparte weiter betreiben wollt. Es wurde erstmalig ein Spartenleiter gewählt, damals Gerhard Hellmich, ein Schießleiter und ein Waffenwart und ein Spartenkassenwart.

Die Sparte erhielt aber aus dem DSC insbesondere von den Fußballern Unterstützung und wuchs schnell wieder an. Die Satzung des DSC erlaubte ausdrücklich, daß jedes Vereinsmitglied berechtigt ist, in jeder Sparte den Sport auszuüben.

Nun auch der SC nahm seinen Schießbetrieb auf. Fritz Schleper gab einen Vorschuß zur Anschaffung der ersten 2 Waffen. Man war sich nicht spinnefeind, es gab zwar Spannungen, aber man war vernünftig genug, sich die Standanlage zu teilen, denn sonst hätte man ja ständig auf- und abbauen müssen.

Der SC blieb beim Donnerstag als Schießtermin und die Sparte ging auf den Dienstag.
Aber in der JHV des DSC vom Januar 1957 gab es noch einmal einen scharfen Disput wegen der Trennung. Es wurde der Schriftwechsel verlesen. Damals versuchte Karl Heinz Röhrig, der sein Amt als Obmann der Leichtathleten auch weiterhin ausübte, verschiedene Dinge noch einmal klarzustellen.

Damit konnte man davon ausgehen, daß fortan die Sparte innerhalb des DSC sich normal entwickeln konnte. Auch die Berichte des Spartenleiters Gerd Hellmich zeugen davon, denn er berichtete daß man langsam an verschieden Meisterschaften erfolgreich sei. Finanzielle Probleme, so berichtete der Kassenwart des DSC, der gleichzeitig auch kassenverantwortlich in der Sparte war, lief auch alles im schwarzen Bereich.

In dem Protokoll für 1957 findet sich auch wieder der Hinweis, daß die Kasse positiv ist. Die im Rahmen der Neugliederung der Sparte übernommenen Schulden sind ausgeglichen.

Aber ganz so ruhig muß das nicht gewesen sein. Aus dem Protokoll der Mitgliederversammlung vom 21.10.59 geht hervor, daß anläßlich des Rücktritts von Herbert Rickenberg aus persönlichen Gründen und der Wahl von Heinz Böger zum ersten Vorsitzenden, sofort einige wichtige Eckpunkte im Verhältnis Sparte zu Gesamtverein verkündet wurden. Danach durfte die Sparte ab dann ihre eigene Kasse führen. Aus dieser Kasse durften sie Ausnahmen tätigen, solange der Kassenbestand durch die Einnahmen dies zu ließ. Aber Überschüsse durften nicht in diese Verwendung eingeschlossen werden. Überschüsse mußten dem Vorstand genauso gemeldet werden, wie das gesamte Inventar der Sparte. Vorstand und Sparte berieten über die Verwendung der Überschüsse.

Im Prinzip war diese Verantwortlichkeit für die eigene Spartenkasse im Dezember 56 vor der Trennung der Sparte ebenfalls erhoben worden. Nun ca. 3 Jahre später war dies in Ansätzen vorhanden. Veräußerungen von Spartenvermögen durfte nur nach ausdrücklicher Genehmigung durch den Vorstand des Gesamtvereins vollzogen werden. Die Sparte war schon sehr eng an den Verein gebunden, was das Außenverhältnis anging. Ohne Zustimmung durch den Vorstand des Sportvereins ging gar nichts. Lediglich die Ausgestaltung des Sportbetriebes konnte die Sparte selbst regeln. Nicht aber die Wahl der Sportstätte. Auch dies war Sache des Vorstandes des Sportvereins.

Es wurde auch eindeutig festgelegt, daß das Vereinslokal zu diesem Zeitpunkt Fritz Röhr war.

In dem folgenden Jahr wurde die Satzung des Deister-Sport-Clubs neu überarbeitet, mit dem Ziel, den Sportverein in das Vereinsregister in Bad Münder einzutragen.

Diese Satzung wurde im Januar 1961 verabschiedet in der JHV vom 28.1.61, letzte Änderungen eingebracht, genehmigt und trat mit sofortiger Wirkung in Kraft.

Die Satzung bekundete, daß innerhalb des rechtlich selbständigen und unabhängigen Vereins, des Deister-Sport-Clubs Feggendorf, die Sportarten Fußball, Turnen, Leichtathletik, Tischtennis und Schießen in Sparten ausgeführt werden.

Jede Sparte hat das Recht den eigenen Spartenleiter zu wählen. Diese Spartenleiter mußte aber von der Jahresmitgliederversammlung bestätigt werden. Wenn ein Spartenleiter nicht die erforderliche Mehrheit des Gesamtvereins erhielt, konnte die Mitgliederversammlung ohne Rückkopplung zur Sparte von sich aus einen Spartenobmann wählen.

Ausdrücklich festgeschrieben war auch die Außenvertretung. Allein hierzu berechtigt war der Vorstand im Sinne des BGB als vertretungsberechtigtes Organ des Deister-Sport-Clubs. Die Sparten waren es eindeutig nicht, sie waren rechtlich völlig unselbständig. Dementsprechend hatte der Vorstand des Sportvereins jederzeit Zugang zu jeder Spartensitzung. Er mußte eingeladen werden. Nur bei turnusgemäßen Sitzungen war eine gesonderte Einladung nicht eerforderlich, der Vorstand konnte von sich aus teilnehmen.

Lediglich die Kassenführung konnte der Sparte übertragen werden. Dies war nur dann möglich, wenn 2/3 der Mitgliederversammlung dafür stimmten. Daran gebunden war wiederum, daß Ausgaben nur im Rahmen der Einnahmen getätigt werden konnten. Überschüsse mußten wieder gemeldet werden. Der Sportverein entschied, was damit passieren sollte. Veräußerungen von Spartenvermögen war wiederum untersagt. Inventarverzeichnisse mußten ständig aktualisiert und dem Vorstand des Sportvereins vorgelegt werden.

Diese Satzung wurde damals am 28.1.61 vom :

Vorstand Mitglieder

1. Vorsitzenden Heinz Böger Wilhelm Schäfer

2. Vorsitzender Fritz Haller Karl Heinz Röhrig

Kassierer Werner Budde Günther Pansegrau

Schriftwart Paul Scheffler


unterzeichnet.


Mitte des Jahres 61 wurde der umstrittene Schießbetrieb in der Sparte Schießen des Sportvereins eingestellt. Die damaligen Spartenmitglieder gründeten im Juli 1961 einen eigenen Verein, das Deister Schützen Corps, das durch die Gründung die eigene Rechtsfähigkeit erhielt.

Das Deister Schützen Corps kaufte vom Sportverein das Inventar der Sparte Schießen zu einem vom Sportverein festgesetzten Schätzpreis. So geht es aus dem Protokoll des Sportvereins aus der Jahreshauptversammlung vom 27. Januar 1962 hervor.

Man kann also feststellen, was Fritz Schleper damals vorausgeahnt hat, daß es besser ist selbständige Vereine zu haben, wenn es sehr heterogene Sportarten sind, hat sich 5 Jahre nach Gründung des Schützen-Clubs von 1957 durch die Gründung des Deister Schützen Corps 1961 wiederholt.

Aus dem Protokoll der Mitgliederversammlung des Sportvereins vom 27. Januar 1962 geht auch die Erkenntnis des Sportvereins zu der Sparte Schießen hervor, denn der Protokollant Paul Scheffler bezeichnet es als viel umstrittenen Schießbetrieb.
Interessant war auch die Zugehörigkeit zu übergeordneten Verbänden.

Die Satzung des Sportvereines hatte die Zugehörigkeit zum Kreissportbund, Bezirkssportbund, Landes Sportbund und Deutschen Sportbund. Darüber hinaus und zusätzlich konnten sich die Sparten noch in den für die Sportart wichtigen Fachverband anschließen.

Das war für die Schützen, gleich, ob als Sparte oder selbständiger Verein, erst der Schützen-Club und dann auch das Schützen Corps der Kreisverband Deister Süntel, der sich vom westlichsten Ort Feggendorf bis etwa Hachmühlen erstreckte. Das Calenberg kam erst in späteren Jahren dazu. Der Kreisverbands Deister Süntel war Mitglied im Schützenverband Niedersachsen.

Kreisverbände usw. spielten noch nicht die Rolle, die sie heute spielen. Damals hatte man noch mehr den Spaß am Wettkampf in den eigenen Reihen und vor allem dem geselligen Beisammensein.

1956 war es auch noch nicht so üblich, an vielen Schützenfesten teilzunehmen. Man war mehr unter sich. Und es gab auch keine Probleme mit langen Wartezeiten für das Gewehr, denn bei 20 Mitgliedern und 2 Gewehren heißt das, daß sich 10 Mann ein Gewehr teilen mußten. Und so konnte ein Vereinswettkampf schon mal bis 1:30 Uhr gehen. Vorher war es einfach nicht zu schaffen.